Dieser Artikel ist der vierte einer fünfteiligen Serie, die auf unserem Expertenpapier „5 Schritte für einen erfolgreichen Solvency II-ansatz“ basiert. Berichte wurden validiert, Kennzahlen geliefert, jetzt beginnt die wertvollste Phase: die gewonnenen Erkenntnisse zur Unternehmenssteuerung zu nutzen. In diesem Schritt zeigen wir, wie Solvency II von einer Compliance-Übung zu einem echten strategischen Entscheidungsinstrument wird.
Schritt 4 für einen erfolgreichen Solvency II-ansatz: Überprüfung und Entscheidungsfindung
Von der Compliance zur strategischen Steuerung
Sobald die Berichte erstellt und validiert wurden, beginnt eine neue Phase: die Entscheidungsfindung.
In einem Umfeld, das von Marktvolatilität und sich wandelnden regulatorischen Anforderungen geprägt ist, können Versicherer nicht mehr nur Indikatoren erstellen. Sie müssen in der Lage sein, diese schnell zu interpretieren und in konkrete Entscheidungen umzusetzen.
Solvency II wird somit zu einem echten Steuerungsinstrument, das das Performance– und Risikomanagement unterstützt.
Strategische und operative Entscheidungen fundieren
Die vom Solvency-II-Rahmenwerk generierten Indikatoren bieten einen strukturierten Überblick über die Finanzlage und das Risikoprofil des Unternehmens.
Sie unterstützen wichtige Entscheidungen wie Asset Allocation und Anlagearbitrage, Zeichnungs- und Preisstrategien, Produkt- und Garantieoptimierung, Kapitalmanagement sowie Vertriebspolitik.
In diesem Zusammenhang ist die Fähigkeit, schnell auf zuverlässige Analysen zuzugreifen, von entscheidender Bedeutung.
Die Leitungsgremien müssen in der Lage sein, die unmittelbaren Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf die Solvabilitätsquote und das Risikoengagement zu verstehen. Sie müssen zudem verschiedene Szenarien – historische oder prognostizierte – vergleichen können, um Entscheidungen zu treffen, die mit der Risikobereitschaft im Einklang stehen.
Die Herausforderung besteht nicht mehr nur darin, Zugang zu Informationen zu haben, sondern über entscheidungsrelevante, kontextualisierte und entscheidungsorientierte Informationen zu verfügen.
Vorausschauen statt reagieren: Stresstests und Szenarien
In einem unsicheren Umfeld wird Vorausschau zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil.
Versicherer müssen in der Lage sein, verschiedene Szenarien zu simulieren:
- von der Aufsichtsbehörde definierte Stressszenarien,
- interne, vom Management definierte Szenarien,
- makroökonomische oder branchenspezifische Annahmen.
Diese Analysen helfen dabei, die Auswirkungen potenzieller Schocks auf Kapital, Solvabilität und Performance zu messen.
Sie bieten eine unverzichtbare zukunftsorientierte Perspektive, um Schwachstellen zu identifizieren, die Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells zu testen und Strategien anzupassen, bevor Risiken eintreten.
ORSA: ein zentrales Steuerungsinstrument
ORSA ist vollständig auf diesen Ansatz für Prognosen und Entscheidungsfindung abgestimmt. Es verbindet regulatorische Anforderungen mit den strategischen Prioritäten des Unternehmens und nutzt dabei Solvency-II-Kennzahlen, zukunftsorientierte Szenarien und Annahmen, die auf die Strategie der Organisation abgestimmt sind.
Ziel ist es, einen umfassenden und konsistenten Überblick über die Solvabilitätsentwicklung zu erhalten, die geplante Entscheidungen und die damit verbundenen Risiken einbezieht.
Die Möglichkeit, vorhandene Daten (aus Säule 1) wiederzuverwenden, Annahmen anzupassen und mehrere Szenarien zu vergleichen, ist unerlässlich, um schnell zuverlässige und umsetzbare Analysen zu erstellen.
Beschleunigung der Entscheidungsfindung
In einem volatilen Marktumfeld wird die Geschwindigkeit der Analyse zu einem Wettbewerbsvorteil und beeinflusst die Handlungsfähigkeit. Versicherer müssen in der Lage sein, Annahmen schnell zu testen, strategische Entscheidungen zu simulieren und deren Auswirkungen nahezu in Echtzeit zu messen.
Diese Agilität verkürzt die Zeitspanne zwischen Analyse und Entscheidungsfindung und ermöglicht eine effektivere Anpassung an Marktveränderungen und aufsichtsrechtliche Erwartungen.
Marktlösungen müssen die Flexibilität, Konsistenz und Genauigkeit bieten, die erforderlich sind, um den Anforderungen und Erwartungen der Versicherer gerecht zu werden.
Mit der Capital Modeling-Lösung von Addactis profitieren Sie von vielseitigen Methoden und Vereinfachungsstufen wie beispielsweise:
- Genaue Prognose zukünftiger SCRs
- Risikodifferenzierte Berechnungsmethode
- Prognose zukünftiger SCRs als Anteil des BE
- Prognose zukünftiger SCRs auf Basis der Duration
Der Zugriff auf diese Daten ermöglicht es Ihnen, zukünftige Maßnahmen besser zu antizipieren und Ihre künftigen Entscheidungen zu erleichtern.
Fazit
Dieser vierte Schritt markiert den Höhepunkt des Solvency-II-Rahmenwerks: den Übergang von der Analyse zur Entscheidungsfindung.
In den am weitesten fortgeschrittenen Unternehmen ist Solvency II nicht mehr nur eine regulatorische Anforderung. Es entwickelt sich zu einem strategischen Steuerungsinstrument, das es Unternehmen ermöglicht, Entscheidungen zu bewerten, zu antizipieren und zu optimieren.
In diesem Zusammenhang ist die Fähigkeit, schnelle, zuverlässige und vorausschauende Analysen zu erstellen, ein entscheidender Faktor für die Leistungsfähigkeit und Differenzierung.
5 schritte für einen erfolgreichen Solvency II-ansatz
Die ausgereiftesten Versicherer erfüllen Solvency-II-Anforderungen nicht nur, sie nutzen den Rahmen aktiv. Stresstests, ORSA-Übungen und Szenarioanalysen verwandeln ihn in einen zukunftsorientierten Kompass, der Kapitalallokation, Produktstrategie und Risikobereitschaft steuert.
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Weiterführende Literatur

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