Herausforderung 2 für einen Schaden- und Unfallversicherer: den Prämienkalkulationsprozess meistern
Dieser Artikel entstammt unserem Ebook „Sechs zentrale Herausforderungen der Tarifierung in der Schaden-/Unfallversicherung„, das die sechs wichtigsten Herausforderungen im Bereich der Schadenversicherung identifiziert. Dieser zweite Schwerpunkt befasst sich mit der Beherrschung des Prämienberechnungsprozesses, einem Thema, das häufig unterschätzt wird, sowohl in seiner Komplexität als auch in seiner strategischen Bedeutung.
Zunächst einmal sollte man bedenken, dass die Festlegung einer Strategie für die Risikoprüfung und Risikoselektion im Vorfeld eine unverzichtbare Voraussetzung ist und mindestens ebenso wichtig wie die Erstellung von Tarifen. Um die Auswirkungen Ihrer Entscheidungen simulieren und den Übergang von der versicherungstechnischen Prämie zur kommerziellen Prämie gezielt zu steuern, müssen zahlreiche zusätzliche Elemente berücksichtigt werden, die eine echte Tarifsteuerung ermöglichen – ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Die Struktur des Tarifierungsprozesses
Die Tarifierung, die sowohl einen Prozess mit aufeinanderfolgenden Schritten als auch einen iterativen Prozess darstellt, lässt sich schematisch wie folgt aufschlüsseln:
Datenverarbeitung, -aufbereitung und -analyse
Diese Phase umfasst die Extraktion interner Daten sowie externer Daten oder Marktdaten. Dazu gehören die Aufbereitung der Daten (Zusammenführung von Dateien, Bearbeitung fehlender Werte, Erstellung neuer Variablen, Definition homogener Segmente, Identifikation von Großschäden, usw.) sowie die Analyse der Daten (Ein- und Zwei-Wege-Analysen, Prüfung von Kohärenz und Konsistenz). Optional kann eine zusätzliche Vorauswahl von Variablen mithilfe von Machine-Learning-Techniken erfolgen, insbesondere bei sehr großen Datenmengen.
Risikomodellierung und Festlegung der technischen und kommerziellen Prämien
Wenn es um die Tarifierung in der Versicherungsbranche geht, denkt der Manager oft an den Endpreis, der auf dem Markt angeboten wird (die kommerzielle Prämie), während sich der Versicherungsmathematiker zunächst auf die Modellierung des zugrunde liegenden Risikos und auf die versicherungstechnische Prämie konzentriert. Nach der Erstellung der Modelle müssen diese validiert, relevante KPIs (z. B. Pseudo-R², Gini-Koeffizient) analysiert und ihre Stabilität über die Zeit überprüft werden. Ergänzend können geografische Risikomodelle, Fahrzeugklassifizierungen oder Vergleiche mit früheren Modellen entwickelt werden. Sobald die versicherungstechnischen Prämien validiert sind, müssen einige Anpassungen vorgenommen werden (z. B. Deckungsumfang oder IBNR). Nach dieser Phase kann die kommerzielle Prämie durch die Integration zusätzlicher Analysen berechnet werden: Vergleich mit bestehenden Tarifen, Conversion-Analysen (Preiselastizität, Kundenbindungsanalysen, Analyse kommerzieller Rabatte, Berechnung des Kundenwerts mit möglicher Mehrspartenanalyse, Wettbewerbsanalyse und schließlich Tarifierungsoptimierung).
Iterative Validierungsphase
Diese Phase, die gemeinsam mit den verschiedenen Akteuren des Underwriting-Prozesses durchgeführt wird, umfasst die Validierung der Ergebnisse, die Implementierung, die Überwachung sowie die Analyse der Auswirkungen auf den kommerziellen Tarif, was zu weiteren Iterationen führen kann. Die Herausforderung in der Tarifierung besteht daher weniger darin, einen „Black-Box“-Tarif zu entwickeln, als vielmehr darin, Portfolios und Tarife kontinuierlich zu überwachen, um den entscheidenden Wettbewerbsvorteil einer echten Tarifsteuerung zu erzielen.
Der Tipp von Addactis
Achten Sie bei der Tarifentwicklung darauf, klar zu unterscheiden, ob Sie eine technische oder kommerzielle Prämie berechnen. Identifizieren Sie zudem alle notwendigen Schritte vor und nach der Prämienkalkulation und integrieren Sie diese vollständig in Ihren Tarifierungsprozess.
Kundenstimme
Die eigentliche Veränderung für uns bestand darin, von einem jährlichen Prozess der Definition, Validierung und anschließenden Einführung neuer Tarife zu deutlich umfassenderen S und tiefergehenden Analysen überzugehen. Diese bieten uns wesentlich mehr Transparenz und ermöglichen es uns, Margen gezielt wiederherzustellen. Wir können nun die Auswirkungen von Entscheidungen bereits in einem sehr frühen Stadium realistisch simulieren und testen und so die Reaktionen der Versicherungsnehmern, Makler und Wettbewerber besser antizipieren.
Sechs zentrale Herausforderungen der Tarifierung in der Schaden-/Unfallversicherung
Ein effizienter Pricing-Prozess beschränkt sich nicht auf die Erstellung eines GLM-Modells. Er beginnt weit früher, mit der Definition einer Zeichnungs- und Risikoselektionsstrategie, und reicht darüber hinaus, mit einer iterativen Validierungsphase unter Einbeziehung aller Beteiligten. Diese umfassende Tarifsteuerung ist es, die einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil begründet. Diese zweite Herausforderung verdeutlicht, warum Pricing als integrierter Prozess behandelt werden muss und nicht als eine Reihe isolierter technischer Aufgaben. Das vollständige Ebook beschreibt die sechs zentralen Pricing-Herausforderungen sowie die praktischen Empfehlungen zu ihrer Bewältigung.
Möchten Sie tiefer einsteigen? Laden Sie unser Ebook herunter, um alle Insights zu erhalten.
